Interview

Interview mit Thomas Prinz

Thomas-prinz Laessig
 

"Das Morgen gestalten" – ganz bewusst

Webmaster: Herr Prinz, Sie haben das Amt seit 2006 inne, als Sie mit einem sehr guten Ergebnis von 58,5 % von den Laatzener Bürgerinnen und Bürgern im ersten Wahlgang gewählt wurden. Sie sind erneut von Ihrer Partei, der SPD, nominiert worden. Was freut Sie vor dem Ende Ihrer ersten Amtsperiode am meisten?

Thomas Prinz: All die vielen Dinge, die in meiner Amtszeit geschehen sind. Teilweise hat schon Hauke Jagau sie vorbereitet oder begonnen. Ich konnte sie zu Ende führen. Ihre Ergebnisse sind das, was ich für das Wichtigste hielt und die ich versprochen hatte:


• Schülerinnen und Schülern in Laatzen kommen zu hervorragenden Erfolgsquoten und legen so die Grundlage für ein erfolgreiches Leben.
• Laatzen ist eine so lebens- und liebenswerte Stadt, das Laatzen weiterhin an Bevölkerung zunimmt, gerade auch Laatzen-Mitte wieder.
• Es wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen und vorhandene gesichert.

Wie sieht der Erfolg der Schulen aus?

In Laatzen verließen seit 2008 nur 2,9 % der Schülerinnen und Schüler die Schulen ohne Abschluss. Zum Beispiel im Jahr 2011 waren es bundesweit und in Niedersachsen über 6 % bzw. nur ein klein wenig darunter.

Die Grundlagen werden durch die Eltern, aber gerade auch durch die Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kindertagesstätten gelegt. Anschließend übernehmen die Lehrerinnen und Lehrer, die uns mit diesem Erfolg zurückgeben, was wir ihnen als Schulträger an Respekt erweisen, z. B. mit den Ausbauten für den Ganztagsbetrieb.

Warum ziehen die Menschen nach Laatzen?

Laatzen ist eine wachsende Stadt. Bis auf Unterbrechungen ist die Laatzener Bevölkerung seit der Bildung unserer Stadt in ihren heutigen Grenzen immer gewachsen. Vielen Außenstehenden muss aber der Charme unserer Stadt erst vermittelt werden. Den Ortschaften fällt dieses leichter als unserer Mitte. Die Ortschaften haben ihren besonderen Reiz, weil sie auch dörfliche Gemeinschaft bieten, aber auch weil sie unmittelbar an schönste Naherholungslandschaften grenzen.

Laatzen-Mitte tat sich ungleich schwerer. Viele Betrachter sind skeptisch. Das hat sich nun rapide geändert. Mit dem neuen Leine-Center, dem Stadthaus, der Marktstr., aber auch vielen privaten Investitionen in die Wohngebäude ist Laatzen-Mitte so attraktiv geworden, dass es mit einem Wachstum an Bevölkerung unser am stärksten gewachsener Ortsteil ist - um 2,8 % seit 2008. Mieter, Käufer und Investoren haben wieder Vertrauen zu Laatzen-Mitte gefasst. Das erlaubt uns für ganz Laatzen mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen.

Ich bin vor 22 Jahren nach Laatzen gezogen, nachdem ich es bereits 1986 hatte kennenlernen dürfen. Auch für mich waren die Vielfalt, die hervorragende Infrastruktur und die Nähe zur Natur die entscheidenden Argumente. Ich bin also ein gutes Beispiel, warum sich Menschen für Laatzen entscheiden.

Was trägt dazu bei, dass so viele Arbeitsplätze neu entstehen?

Das hat natürlich mehrere Gründe. Laatzens hervorragende Anbindung ist einer. Unsere internationale Bekanntheit durch die Messe ein anderer. Hier hat sich aber, auch bei Investitionen in den Wohnungsbau, ausgezahlt, dass unser Verwaltungsvorstand – beide Stadträte und ich - seit vielen Jahren landesweit Kontakte pflegen, bekannt sind und uns von den langjährigen Gesprächspartnern ein hohes Vertrauen entgegengebracht wird.

Genauso ist aber auch die hochmotivierte und schlagkräftige Mannschaft im Rathaus ein Pfund mit dem wir wuchern können. Gerade für Unternehmen und Investoren ist es ausschlaggebend, in kurzer Zeit mit den Kolleginnen und Kollegen alle Genehmigungen vorbereiten zu können und zu einem verlässlich abgesprochenen Zeitpunkt alle Genehmigungen zu erhalten. Dafür wird gerne hingenommen, dass wir die Interessen der Stadt in den Verfahren eindeutig vertreten. Auch Klarheit ist eine Grundlage für Vertrauen.

Mit dem aquaLaatzium hat Laatzen ein besonderes Aushängeschild. Warum haben Sie sich so für das Bad eingesetzt?

Das aquaLaatzium ist das größte unternehmerische Engagement unserer Stadt. Deswegen müssen wir uns dort auch wie Unternehmer verhalten. Das aquaLaatzium war weiträumig der Platzhirsch, als sich an vielen Stellen Neubauten oder umfangreiche Ausbauten abzeichneten. Um die Wirtschaftlichkeit nicht zu gefährden und um den Kunden das Beste bieten zu können, hat die Gesellschaft selber massiv in sich investiert, rund sieben Millionen Euro. Und die Stadt hat die Situation genutzt, und ein Sportbecken für Kindertagesstätten, Schulen und Vereine daneben bauen zulassen.

Beide Entscheidungen waren richtig. Der Wettbewerb hat sich so verschärft und wir sind darauf eingestellt.

Ein Wort des Dankes noch an unsere Vereine. Laatzen hat ein reiches Vereinsleben. Von der Kunst bis zum Sport. Dieses reiche, vielfältige und intensive Engagement der Ehrenamtlichen zeigt, wie nah die Menschen in unserer Stadt einander sind. Und die Vereine wissen zu schätzen, wie die Stadt sie unterstützt.

Es ist aber auch viel im Hintergrund geschehen, wovon die Bürger nichts merken. Was ist dies?

Sogar dabei geht es um das, was bei Bürgerinnen und Bürgern ankommt.

Laatzen hat im festen Glauben an die Vorteile das Neue Kommunale Steuerungsmodell - die beste Organisationsform, eine Stadt zu verwalten - konsequent umgesetzt. Es wird strategisch gesteuert und alle Entscheidungen weitestgehend auf einzelne Mitarbeiter übertragen. Auch das kommt beim Bürger an. Weil für Verwaltung nach der aufwendigen und schwierigen Einführungsphase viel weniger Aufwand getrieben werden muss. Dadurch entstehen die Spielräume, mehr Maßnahmen umzusetzen, von den die Bürger unmittelbaren Vorteil haben.

Es gab aber auch Schritte, mit denen sich die Stadtverwaltung einfach auf das Büro der Zukunft einstellt, etwa ein papierloses Verwaltungsverfahren. Wir alle im Rathaus kommen nicht drum herum.

Lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Wo werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit liegen?

Zunächst einmal wird es auch weiterhin darum gehen, unseren Kindern und Jugendlichen einen erfolgreichen Start ins Leben zu ermöglichen. Das bedeutet auch weiterhin, jeder und jedem nach den eigenen Fähigkeiten eine bestmögliche Bildung und Schulabschlüsse mit auf den Weg zu geben.

Als Schulträger werden sehr praktische Probleme zu lösen sein. Dabei geht es zunächst einmal um die Sanierung unserer beiden großen Schulkomplexe, Albert-Einstein-Schule und Erich Kästner-Schulzentrum. Die Baumaßnahmen müssen intensiv vorbereitet werden, um sie mit einem besten Ergebnis, aber auch mit möglichst geringer Belastung der Betroffenen zu Ende zu bringen.

Bei einer Einführung der Inklusion in den Schulen – damit soll Behinderten das Lernen in den allgemeinen Schulen ermöglicht werden – werden sich ganz neue Fragestellungen von den Räumen über technische Hilfsmaßnahmen bis zur Barrierefreiheit eröffnen. Diese werden bewältigt werden.

Wir werden weiterhin für benachteiligte Schülerinnen und Schüler – gleich aus welchem Grund – Hilfestellungen anbieten müssen, auch in ihrem Umfeld. Für die Schüler gehörten bisher z. B. die Sommerakademien dazu, für die Mütter mit Migrationshintergrund z. B. eigene Sprachkurse.

Auch unsere Kitas werden sich weiter entwickeln müssen. Wir haben einen hohen Versorgungsgrad erreicht. Der wird noch gesteigert werden müssen.

Wir müssen bei den älteren Einrichtungen, auch in den vorhandenen Gebäuden, die Standards der Gegenwart anpassen müssen.

Wir wissen, dass sich Investitionen in Bildung langfristig auszahlen. Deswegen müssen wir sie wagen.

Ihnen ist der Erhalt der Bevölkerungszahl so wichtig. Warum und wie wollen sie es erreichen?

Städte und Gemeinden, aber auch private Anbieter stellen den Bürgerinnen und Bürgern ein Höchstmaß an Infrastruktur zur Verfügung – Schulen, Straßen, Läden, Busse, Schwimmbäder, Abwasser- und -Abfallentsorgung etc.

Diese können nur erhalten werden, wenn sie genutzt werden und Menschen da sind, die für den Unterhalt aufkommen. Laatzen muss eine Stadt für alle sein.

Deswegen müssen den Menschen sich in Laatzen wohlfühlen in einer Stadt für alle. Die Menschen müssen zusammen kommen. In Vereinen, auf den Straßen und Plätzen. Ich will alles dafür tun, dass wir weiterhin die Hallen und Schwimmbäder kostenfrei zur Verfügung stellen können. Ich will auch bei allen künftigen Baumaßnahmen die Barrierefreiheit in den Vordergrund stellen. Die Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen, von der Stadt, aber gerade auch von Vereinen und Initiativen, bringt die Menschen zusammen.

Es muss aber auch weiterhin in allen Ortsteilen die Nahversorgung gesichert werden, wozu eine kontinuierliche Entwicklung gehört.

Es müssen aber auch alle Möglichkeiten zu weiterer Wohnbebauung genutzt werden – Lückenfüllung und auch neue Baugebiete. Nur so besteht Raum für die Menschen, die zu uns ziehen wollen.

Warum betonen Sie so die Notwendigkeit, dass der Betriebshof künftig Laatzen-Mitte noch mehr pflegen kann?

Laatzen ist eine saubere Stadt, was wir am deutlichsten daran sehen können, dass die Stadt graffitifrei ist. Es gibt aber einzelne Stellen die dauerhaft ein Problem sind. Oder es keimen einzelne auf.

Es ist gelungen den Bauhof nach Mitte zu verlagern, wo – dort leben 40% unserer Bevölkerung – naturgemäß der meiste Aufwand entsteht. Weil die Fahrten von und nach Alt-Laatzen entfallen, bleibt viel mehr Zeit für die Pflege von Straßen und Plätzen, nicht nur für Laatzen Mitte, sondern für alle Ortsteile.

Wie geht es mit den Arbeitsplätzen weiter?

Abgesehen von Arbeitsplätzen, die die Stadt selbst anbietet, können nur Unternehmerinnen und Unternehmer Arbeitsplätze schaffen und anbieten. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich werden laufend angefragt.

Davon wird sich viel entwickeln, weil das Vertrauen in den Standort, die Menschen vor Ort und die Stadtverwaltung hoch ist. Hinzu kommt die geordnete Raumplanung durch die Region. Unternehmerinnen und Unternehmer wissen nicht zuletzt von den guten Absolventinnen und Absolventen unserer Schulen. In Laatzen gibt es noch ein Potential an Arbeitskräften, was heutzutage nicht zu unterschätzen ist.

Passend zu unserer Bevölkerung brauchen wir aber eine Mischung von qualifizierten Arbeitsplätzen und solchen für Ungelernte. Dafür will ich mich einsetzen.

Nun noch ein paar persönliche Fragen:

Was ist nach Ihrer Auffassung die wichtigste Eigenschaft eines Stadtoberhaupts?

Eine reicht nicht. Am wichtigsten ist die Sachkenntnis, eine Stadtverwaltung leiten zu können. Dazu gehören fachliche, organisatorische und Personalführungskompetenzen und nicht zuletzt die Fähigkeit, politisch zu überzeugen und im Stadtrat die notwendigen Mehrheiten finden zu können. Außerdem muss ein Bürgermeister offen für die Belange der Bürgerinnen und Bürger sein und auf sie zugehen können.

Wie vielen Bürgern sind Sie in Ihrer ersten Amtszeit begegnet?

Unendlich vielen. Wer ein Anliegen an mich hat - und es kann nicht schon durch meine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell erledigt werden -, bekommt unkompliziert einen Termin. Das haben viele genutzt.

Ich werde aber auch unendlich oft eingeladen und begegne da den Menschen und habe viele, viele Gespräche geführt. Ich bin stolz, dass mir niemand nachsagen kann, ich komme nur vor der Wahl und bin in Wirklichkeit gar nicht an den Menschen interessiert.

Nun zu Ihrem Privatleben, Herr Prinz. Als Motorradfahrer sind Sie stadtbekannt. Wie wird es nach Ihrem Unfall damit weitergehen?

Darauf kann ich Ihnen noch keine Antwort geben. Ich werde noch ein halbes Jahr nicht ausprobieren können, ob ich noch Motorrad fahren will und kann. Ist das der Fall, hat auch meine Frau ein ernsthaftes Wörtchen mitzureden.

Wohin reisen Sie am liebsten?

Im Wohin sind meine Frau und ich nicht sonderlich festgelegt. Weiterhin versuchen wir, einmal im Jahr in der Ferne zu wandern, waren deswegen z. B. schon im Sinai oder auf Reunion. Eine Woche geht es im Herbst oder Winter an die deutsche Nord- oder Ostssee, zur Sauna, zum Schwimmen und an die langen Strände. Dieses Jahr geht es allerdings schon im Sommer für zwei Wochen an die polnische Ostseeküste – durch Laufen in warmen Sand meine Brüche kurieren.

Und was essen und trinken Sie gerne?

Am liebsten esse ich deftig. Hin und Wieder speise ich gerne auch im feinen Restaurant. Als geborener Wuppertaler trinke ich gerne ein Bier zum Essen, als Urenkel eines Moselwinzers aber auch gerne einen guten Wein.

Wenn Sie dazu Zeit haben, was lesen Sie?

Krimis, politische Biografien und Fach-Zeitschriften.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf meine Frau.

Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Manchmal bin ich ungeduldig. Aber ich kann auch ungeheuer beharrlich sein. Ich bin zuverlässig.

Und was sagt Ihre Frau hierzu?

Sie weiß noch viel mehr Gutes über mich zu sagen.

Wenn Sie ein Tag Bundeskanzler wären, was würden Sie tun?

Im Moment würde ich meine ganze Kraft in die Befriedung der Ukraine stecken.

Ihr Lebensmotto?

Mit offenen Augen durch das Leben gehen.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

An meinen Vater, wenn er mir Geschichten erzählte.

In und Outs. Ich nenne Ihnen nun einige Begriffe; bitte sagen Sie nur "„in"“ oder "„out"“:

Inklusion? in
Mindestlohn? in
Genetisch veränderte Lebensmittel? out

Herr Prinz, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Laatzen, im April 2014